Radius: Aus
Radius:
km Geben Sie einen Radius für eine Umkreissuche an.
Suche

1. Teil: Elektrosmog – was hat das mit unserer Lebensweise zu tun?

1. Teil: Elektrosmog – was hat das mit unserer Lebensweise zu tun?
Nachhaltigkeit & Regionales

“Die Intuition dient bekanntlich dazu, uns in Gefahrensituationen zu helfen, aber sie ist auch ein super Werkzeug, denn sie zaudert nie. Ich habe endlich verstanden, dass das, was wir Intuition nennen, nicht uns gehört. Intuition ist ein bisschen von allen anderen in dir. Und du darfst dieses Werkzeug nutzen. Wenn du ihm Aufmerksamkeit schenkst und es pflegst, funktioniert es von Tag zu Tag besser.“

Über diese Zeilen in einem Interview mit der bekannten Trendforscherin Li Edelkoort bin ich neulich gestolpert. Zitate sind nicht mein Steckenpferd, aber hier musste ich zweimal lesen. Was hat das mit Elektrosmog zu tun?

Gehört nicht das Thema Elektrosmog zu denen, die für uns mit viel Zwiespalt, Ratlosigkeit, Kompromissen, Verdrängen, Segen und Fluch zugleich belegt sind? Weil wir Strom brauchen, das Smartphone zum stetigen Begleiter geworden ist und WLAN unser aller Wohnungen durchströmt, und wenn es nur jenes des Nachbarn ist. Und wir wissen – mindestens intuitiv, dass da etwas strahlt und dass nicht alles gesund ist. Vielleicht zaudert hier die Intuition doch manchmal. Und es ist richtig, nicht auf die Vorteile der vernetzten Welt verzichten zu wollen. Aber auch hier ist ein achtsamer Umgang für ein gesünderes Wohnumfeld entscheidender als ein Entweder-Oder.

Elektrosensible Menschen leiden am stärksten unter Elektrosmog – ein Leben für sie ist oft nur noch in ganz seltenen strahlungsfreien Orten und unter großen Anstrengungen möglich. Ob Hochsensible und feinfühlige Menschen auch auf Elektrosmog sensibler reagieren, ist nicht erforscht, aber es ist naheliegend, dass dem so ist. Und dass die Natur darauf reagiert, ist spätestens seit dem Waldsterben in den 1980-er Jahren bekannt: Das Absterben der Nadelbäume im Bayerischen- und Thüringer Wald wurde durch die damaligen Radio- und Fernsehsendemasten stark begünstigt, die mit extrem hoher Leistung sendeten. Die Nadelbäume wirkten wie Antennen und starben vor allem in Senderichtung der Masten ab.

Aber in welcher Art und Weise und in welcher Intensität wirkt Elektrosmog auf unseren Körper, Geist und unsere Seele? Darüber streiten sich Politiker*innen, Lobbyisten aller Seiten, Wissenschaftler*innen, je nach zugehörigem Lager. Ein diffuses Für und Wider, viel Pauschalisierung und Verwechslung, und natürlich ist das ganze sehr emotional aufgeladen. So gesehen beschäftigt  also Elektrosmog auf jeden Fall unsere Gemüter. Dies umso mehr, je mehr wir die Datenübertragungstechnik  für uns selber nutzen und je weiterentwickelter die Hochfrequenztechnik ist. Gerade stehen wir vor der Einführung von 5G, der neuen Hochfrequenztechnologie zur Übertragung von Mobilfunk und mobilen Daten. Es ist ungewiss, ob diese Technik noch viel feinteiliger in unseren Städten und Wohnsiedlungen verteilt wird und noch tiefer in unsere Wohnungen eindringen wird. Hier kommt die SmartHome-Technologie dazu, die teilweise über WLAN gesteuert wird oder über den DECT-Standard, mit dem schnurlose Telefone senden und der unsere Ohren heiß werden lässt beim Telefonieren.

 

Elektrische Wechselfelder (Niederfrequenz)

Eine für uns fast unbewusste Quelle von Elektrosmog sind elektrische Wechselfelder, die von allen Kabeln und elektrischen Installationen und Geräten ausgehen, die eine Spannung aufweisen. Und davon haben wir in unserem Haushalt mehr als genug. Aber wie funktioniert das?

Segen und Fluch von Strom und Spannung ist unser Planet Erde: Die Atome, aus denen unsere gesamte Materie besteht, sind elektrisch geladen. Sie beinhalten die im Atomkern festsitzenden positiven Protonen und die in der Atomhülle leichter beweglichen negativen Elektronen. Auf diesen Ladungen beruht die Übertragung von elektrischer Energie, auf den Bewegungen und Strömungen der Elektronen in gut leitfähigen Materialien wie z.B. Kupfer. Zwischen zwei elektrisch unterschiedlich geladenen Polen entsteht eine Spannung. Beim Wechselstrom, wie wir ihn in unserem Haushalt haben, bewegen sich die Elektronen (aufgrund der unterschiedlichen Elektronenmengen an den zwei Polen) in einem Leiter in einer bestimmten Frequenz immer zwischen zwei Polen hin und her (beim Gleichstrom bewegen sich die Elektronen immer in eine Richtung, von einem Pol zum anderen). Auf diese Art und Weise wird elektrische Energie transportiert. Wechselstrom wird in Generatoren erzeugt, seine Frequenz ist 50 Hz, was auch ungefähr unserer Herzfrequenz entspricht. Die Frequenz bei der Bahn ist 16²/₃ Hz, in Induktionsherden, Energiesparlampen, Leuchtstoffröhren z.B. werden bis 10000 Hz und höher gebraucht.

 

Eine Nachttischlampe emittiert elektrische Felder, auch wenn sie nicht eingeschaltet ist!

Das bedeutet, dass elektrische Geräte schon elektrische Wechselfelder emittieren, sobald sie an eine Steckdose gesteckt sind (weil eine Spannung anliegt), sie müssen nicht eingeschaltet sein. Sind sie dann eingeschaltet und verbrauchen Energie (es fließt Strom), kommen zusätzlich magnetische Wechselfelder hinzu. Wie bei einer Warmwasserleitung. Ist der Wasserhahn ausgeschaltet, liegt das warme Wasser in der Leitung, es strahlt Wärme ab. Dreht man den Wasserhahn auf, fließt das Wasser.

Und nicht nur die Geräte erzeugen Wechselfelder, sondern auch die Zuleitungskabel zu Steckdosen, Schaltern, Verteilern in den Wänden, Decken und Fußböden. Heutzutage sind sie unterputz verbaut, und häufig weiß man gar nicht, wo sie eigentlich entlang führen.

 

Kann man die Felder messen?

Dem baubiologischen Messtechniker stehen verschiedene elektronische Messgeräte zur Verfügung, um Intensitäten von elektrischen Wechselfeldern zu messen und deren Quelle aufzuspüren. Das fängt bei einfachen Voltmetern (Multimetern) an und reicht bis zu komplexen mehrdimensional messenden Geräten mit Niederfrequenz-Spektrumanalyse. Unter Berücksichtigung aller Fehlerquellen und Ungenauigkeiten lässt sich aber feststellen, ob ein Feld unauffällig, schwach auffällig, stark auffällig oder extrem auffällig ist, und die Quelle lässt sich identifizieren.

 

Wie wirken elektrische Wechselfelder auf uns Menschen?

Je höher Frequenzen sind, desto kritischer sind sie biologisch – darüber herrscht in der Wissenschaft Konsens. Die Feldlinien der elektrischen Wechselfelder suchen immer den Weg von ihrer Quelle zur Erde, zu ihrem Gegenpol. Der Mensch zieht diese Feldlinien an, da der menschliche Körper sehr gut leitfähig ist (er besteht vorwiegend aus Wasser und vielen anderen elektrisch-leitfähigen Substanzen) und für die Feldlinien wie eine Antenne wirkt.

Daraus resultiert eine messbare Körperspannung. In extremen Exponierungen ( z.B. auf einem Krankenhausbett, das mit elektrischem Motor ausgestattet ist) kann man diese Spannung einfach mit einem Prüfschraubenzieher am Körper messen. Aber auch massive Baumaterialien, feuchte Wände, Installationsrohre oder Stahlfederkern-Matratzen sind gute Leiter, die die Feldlinien anziehen. Unsere Körperzellen, unsere Nervenzellen kommunizieren untereinander. Sie tun dies ebenfalls mit kleinsten elektrischen Spannungen, die in einem Frequenzbereich von ca. 10 – 1000 Hz liegen. Vereinfacht gesagt: die elektrischen Wechselfelder unserer gebauten Umwelt treten in eine Wechselwirkung mit unseren Zellen und können diese beeinflussen, vielleicht auch manipulieren.

 

Beeinträchtigen elektrische Wechselfelder unsere Gesundheit?

Das kann man pauschal nicht sagen. Jeder Mensch ist individuell und reagiert anders. Da Niederfrequenzen der Stromversorgung unseren körpereigenen bioelektrischen Funktionen aber recht ähnlich sind, können sie störend wirken. Der eine nimmt eine solche Störung wahr und reagiert darauf, der andere nicht. Wissenschaftlich fundierte Studien gibt es über das Thema recht wenig. In den vorhandenen Studien werden elektrische Wechselfelder in Zusammenhang mit Leukämie, Haut- und Lymphdrüsenkrebs gebracht, mit einem erhöhten Risiko an Kinderleukämie und Krebs. Außerdem können Kopfschmerzen, Vitalitätsverlust, Depressionen in Verbindung mit elektrischen Wechselfeldern gebracht werden. Schon 2008 resümierte das damalige Bundesamt für Strahlenschutz, dass Elektrofelder für die Reduzierung des Hormons Melatonin verantwortlich gemacht werden können und damit die Förderung von Brustkrebs. Eine andere Studie belegt den Einfluss von schon sehr schwachen niederfrequenten elektrischen Wechselfeldern auf das menschliche Nervenverhalten.

 

Einfache Maßnahmen, die wir sofort umsetzen können

Völlig unerforscht sind der Einfluss elektrischer Wechselfelder auf moderne Erscheinungen wie Konzentrationsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, ADHS, Essstörungen,  permanente Müdigkeit, Lethargie, Lustlosigkeit, Tinnitus  und viele andere psychisch-seelische Auffälligkeiten. Natürlich spielen hier auch die hochfrequenten Wellen (Handy, WLAN etc.) eine große Rolle. Aber sofort umsetzen lässt sich folgendes:

  • Mind. im Schlafzimmer nachts Nachttischlampen, Fernsehgeräte, Aufladekabel etc. aus der Steckdose ziehen (nicht nur ausschalten!)
  • Vor allem bei Kindern und Jugendlichen: Kabeltrommeln, Verteiler, Transformatoren von Spielgeräten, Tabletts, Konsolen etc. oder was sich noch so unter dem Bett ansammelt aus dem Stecker ziehen. Oder noch besser in eine andere Ecke des Zimmers deponieren.
  • Das Bett so stellen, dass nicht hinter dem Kopfkissen gleich die Steckdosen sind.
  • Wenn Verteiler mit Mehrfachsteckern benutzt werden: Unbedingt Dreipolige mit Erdung und Kontrollleuchte verwenden, zusätzlich kontrollieren, dass sie zweipolig geschaltet sind. Nachts ausschalten!
  • Aquarien, Terrarien und andere Dauerstromverbraucher in möglichst großem Abstand zum Bett positionieren.
  • Tischlampen, Stehlampen, Computer, Drucker, Toaster, Mixer, etc. haben oft nur zweipolige Stecker. Diese sollten umgebaut und mit einer Erdung (dritter Pol) versehen werden, damit elektrische Wechselfelder abgeleitet werden. Ungeerdete Geräte können auch nachträglich geerdet werden.
  • Bei Kabelschaltern in Nachttisch- und anderen Lampen ist es entscheidend, ob der Schalter die Phase oder den Neutralleiter schaltet. Dies kann mit einem Phasenprüfer getestet werden. Wird nämlich nur der Neutralleiter geschaltet, gibt es trotzdem elektrische Wechselfelder.
  • Netzfreischalter: Kleine Schaltgeräte, die im Verteilerkasten eingebaut werden und mit denen sich automatisch einzelne Stromkreisläufe abschalten lassen, z. B. Schlafzimmer, Kinderzimmer etc. Sobald kein Verbraucher mehr Strom anfordert, schalten sie den entsprechenden Stromkreis ab. Erst wenn wieder Strom gebraucht wird, schalten die Netzfreischalter automatisch wieder an. Netzfreischalter müssen vom Elektriker eingebaut werden!
  • Sollten elektrische Fußboden- /Wand- oder Deckenheizungen in Ihrem Wohnumfeld installiert sein, empfiehlt sich eine professionelle Messung auf elektrische Felder.

 

Bauliche Maßnahmen

Elektrische Wechselfelder können relativ gut abgeschirmt werden. Wer die bauliche Möglichkeit hat, kann geschirmte Kabel und Steckdosen verwenden. Auch komplett geschirmte Lampen sind auf dem Markt. Um sich vor elektrischen Feldern von Nachbarwohnungen, Einflüssen von außen (Hochspannungsleitungen) etc. zu schützen, gibt es Abschirmfarben, Abschirmtapeten, Abschirmnetze für Fenster oder das komplette Dach. Auch Baldachine aus abschirmendem Material für das Bett sind erhältlich. All diese Materialien müssen fachgerecht angebracht werden, da sie oft eine Erdung benötigen. Hier ist die Zusammenarbeit mit einem Elektriker wichtig, der sich auf solche Maßnahmen versteht.

 

Aber die einfachste und konkreteste Maßnahme ist auch hier Achtsamkeit.

Gehen Sie spielerisch mit unseren Stromverbrauchern um. Probieren Sie aus, hinterfragen Sie, ob eine Nespresso-Maschine wirklich notwendig ist. Nehmen Sie für eine Woche konsequent alle eingesteckten Geräte im Schlafzimmer aus den Steckdosen und testen Sie, ob sich Ihr Schlafverhalten ändert. Dies ist vor allem bei Kindern gut zu beobachten. Beim Handy wissen wir bereits, dass wir es nachts mindestens auf Flugmodus setzen oder ganz ausschalten sollten. Beim Haushaltsstrom ist es uns vielleicht noch nicht so bewusst. Aber ein achtsamer Umgang damit begünstigt unser Wohlbefinden! Und vielleicht trauen wir auch hier unserer Intuition wieder…..

 

Im nächsten Beitrag geht es dann um elektromagnetische hochfrequente Wellen (Microwellen, Mobilfunk, Dect-Telefone, WLAN etc.)

Ihr Stephan de Bona

 

Stephan De Bona, Baubiologe IBNStephan de Bona

Hier gelangen Sie zu meinem Profil:
https://nova-lebensraum.de/item/stephan-de-bona-baubiologe-ibn/