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Irgendwie bin ich anders! Wie du dein „Anders sein“ für dich nutzt!

Irgendwie bin ich anders! Wie du dein „Anders sein“ für dich nutzt!
Persönliche Weiterentwicklung

 

 

Nina seufzt. Es kostet sie sichtliche Überwindung anzufangen. Nach den ersten zögerlichen Worten beginnt es aus ihr herauszusprudeln.

„Irgendwie war ich immer anders. Zum ersten Mal ist mir das in der Grundschule bewusst geworden. Ich glaube, ich war in der ersten Klasse. Ich liebte es Kleider zu tragen. Das an sich war schon ungewöhnlich. Die meisten Mädchen trugen Hosen. Noch heute trage ich gerne Kleider!“, sie lächelt. „Damals saß ich auf meinem Stuhl und hinter mir saßen Jungs. Sie lachten über mich, weil der Gürtel meines Kleides hinten zusammengebunden war. Wie ein Schwanz. Ich wurde innerlich immer kleiner. Wäre am liebsten in den Stuhl gekrochen. Ich spürte ihre Blicke in meinem Rücken, ihr Gelächter. Die Blicke, die sie austauschten. Für mich war klar, sie mochten mich nicht. Machten sich über mich lustig, weil ich anders war. In den Pausen stand ich oft allein. Vor allem dann, wenn die anderen das beliebte Spiel „Mädchen fangen die Jungs – Jungs fangen die Mädchen“ spielten. Ich hätte mich am liebsten aufgelöst, wenn ich da allein auf dem Schulhof stand.  Der Sportunterricht war meine gesamte Schulzeit ein Spießrutenlauf. Ich hasste es, wenn ich die letzte war, die gewählt wurde. Es war so demütigend. Ich kam nicht über den Bock, ich fing die Bälle nicht und werfen konnte ich schon mal gar nicht. Ich fühlte mich unzulänglich und absolut unsportlich. Und damit befand ich mich auf der Beliebtheitsskala ganz unten!

Ich erinnere mich, dass ein Junge in der Grundschule mich in der Pause immer wieder trat. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. In meiner Not fragte ich meinen Vater. Der meinte: ‚Tritt zurück!‘ Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich es tat. Ich weiß nur noch, dass mir klar war, das war es, was ich tun müsse. Aber es war nicht das, was meine Seele brauchte. Mitgefühl, Verständnis – jemand der mit mir fühlt, danach sehnte ich mich. Rückblickend kommt es mir so vor, als wäre das Gefühl, anders zu sein, mit jedem Jahr mehr geworden. Dabei wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dazuzugehören. Ich wollte genau so sein, wie die anderen Mädchen. Desto mehr ich probierte, so wie sie zu sein, desto mehr schien es zu misslingen.

Ich war Außenseiterin

Ich rutschte immer mehr in die Außenseiterrolle. Hätte es damals das Wort ‚Mobbing‘ gegeben, dann wäre es mein Wort gewesen. Inzwischen wird es so inflationär benutzt!“ Nina spricht nun hastig und ihre Stimme wird lauter: „ Von überall heißt es ‚gemobbt‘ ‚gedisst‘…. Wissen die überhaupt, wie schmerzhaft das ist. Wie weh das tut? Wie weh es tut, wenn sich mehrere gegen einen richten. Sich über einen lustig machen? Einen ausgrenzen? Wenn alle sich treffen, nur du wirst nicht gefragt?

Heute frage ich mich, warum haben die das gemacht? Heute spricht man ja von Tätern. Warum haben die das nötig gehabt? Was war mit denen? Warum mussten sie mich klein machen? Damit sie selber groß sein konnten? Damit sie jemanden hatten auf dem sie mal rumtrampeln konnten? Um von ihren eigenen Schwächen ablenken zu können? Von ihren Unzulänglichkeiten? Waren sie vielleicht sogar selber Opfer?“ Nina schweigt für eine halbe Minute, die sich für mich unendlich lang anfühlt. Sie scheint ganz in der Vergangenheit versunken zu sein. Mit einem Mal hebt sie den Kopf. Ihr Blick ist nun ganz klar!

Opfer sein

„Ja, vermutlich war es so. Vermutlich waren auch sie Opfer. Vielleicht haben sie sowas in der Familie erlebt, dass sie von den Eltern runtergemacht wurden. Vielleicht haben sie das einfach weitergegeben – haben weitergetreten!“ Nina seufzt. Es klingt, wie ein Seufzer der Erleichterung. Ihre Gesichtszüge werden weicher.

„Irgendwann wurde es besser. Ich hatte Freundinnen, die zu mir hielten. Dennoch fühlte ich mich weiterhin anders. Dabei sah ich doch so normal, wie nur möglich aus. Ich glaube, ich wurde immer unscheinbarer, immer angepasster. Ich wollte genau so sein, wie mein Gegenüber es gerne hätte. Ich wurde zu einer guten Zuhörerin. Irgendjemand sagte mal: Du bist immer so vernünftig. Das traf mich! Eigentlich war ich doch gar nicht so vernünftig. Ein anderer sagte: Nina, die hört immer zu! Ja, ich war eine gute Zuhörerin und sagte den Menschen genau das, was sie hören wollten. Ich wurde zur Empathie-Expertin. Ich konnte mich unglaublich gut in andere hineinversetzen, hatte immer Verständnis. Man fragte mich gerne um Rat. Ich riet den Menschen das, was sie hören wollten. Damit hatte ich ihre Anerkennung. Aber ich, Nina, verschwand dahinter. Niemand fragte nach: Nina, wer bist du denn eigentlich?

Ich wollte so sein, wie alle anderen

Um dazuzugehören jammerte und meckerte ich über die gleichen Themen, wie alle anderen. Gepaart mit Empathie und maximalem Interesse für das Leben anderer bekam ich die Anerkennung, die ich suchte. Und trotzdem blieb ich Außenseiterin. Es fiel mir schwer, mich in neuen Situationen zu behaupten. Es fiel mir schwer, mich in Gruppen wohlzufühlen. Und immer wieder wurde ich in diesen Gruppen zum Außenseiter. Weil ich ständig damit beschäftigt war, meine Antennen auszufahren, um zu spüren, wie es den anderen ging, fühlte ich mich immer öfter total erschöpft und unzufrieden. Immer öfter fragte ich mich, warum fragt denn niemand, wie es mir geht? Wie es mir wirklich geht? Warum bin ich eigentlich immer der Außenseiter? Ich kam zu dem Ergebnis, dass ich hochsensibel war. Kein Wunder also, dass mich diese Gruppen überforderten. Es brauchte nur jemand in den Raum zu kommen und ich spürte sofort die Energie der Person. Vor allem, wenn es negative Energie war. Es war als würde ich die Energie der Person aufsaugen. Natürlich zeigte ich der Person gleich meine Empathie und fragte sie, was denn los sei. Das bestärkte mich, dass ich hochsensibel war. Problematisch wurde es allerdings, wenn ich das Gefühl hatte, dass ich der Grund für die negative Energie der anderen war. Immer öfter glaubte ich, dass ich etwas falsch gemacht hatte und sie sauer auf mich waren.

Gleichzeitig machte mir das Gefühl anders zu sein, zu schaffen. Warum war ich denn anders? Konnte ich nicht so wie alle sein? Zwischenzeitlich hasste ich mich selbst! Trotz aller Bemühungen kam immer wieder die Rebellin in mir hoch. Ich fing nach dem Abitur nicht mit dem Studium an – so wie es alle erwarteten. Ich fing eine Lehre an und brach sie ab – studierte doch. Irgendwann heiratete ich – ich nahm nicht den Namen meines Mannes an, obwohl das zu der Zeit noch total ungewöhnlich war. Der Standesbeamte hatte kein Verständnis und der Postbote erst recht nicht – wo sollte das denn noch hinführen, wenn jeder einen anderen Namen hätte. Ich hörte einfach auf in meinem Beruf zu arbeiten und machte mich selbstständig. Ich hatte bis dahin bei der Stadt in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet. Ein sicherer Arbeitsplatz! Niemand verstand, warum ich den Job aufgab.

Dennoch: Es machte mir zu schaffen, dass ich immer wieder Außenseiterin war!“ Nina blickt zu Boden. Ich frage sie: “ Wie bist du aus diesem Gefängnis rausgekommen? Du wirkst jetzt so voller Lebenslust, so selbstbewusst?“

Aus dem Gefängnis rauskommen

Nina lächelt: „Genau zwei Erkenntnisse haben die Wende gebracht.

  1. Erkenntnis: Ich habe mich selbst immer wieder zum Außenseiter gemacht. Immer wenn ich irgendwo neu anfing, ging ich unbewusst davon aus, dass ich wieder Außenseiter sein würde. Ich suchte förmlich nach Anhaltspunkten dafür! Und automatisch wurde ich zum Außenseiter. Als mir dieses Muster klar wurde, suchte ich nach einem Weg daraus. Ich sagte mir jeden Tag: ‚Ich bin Teil der Gruppe. Andere schätzen mich. Sie sind an mir und meiner Meinung interessiert.‘ Ich begann nach Zeichen und Erfahrungen zu schauen, die genau das untermauerten. Jeden Tag überlegte ich, inwiefern ich Teil der Gruppe gewesen war. Und weißt du was?“ Ninas Augen beginnen zu leuchten. „Ich wurde tatsächlich immer mehr anerkannt. Kollegen schauten zu mir auf. Ich wurde als Vorsitzende gewählt. Es war faszinierend. Es war, als hätte ich eine Wand niedergerissen. Es war, als hätte ich eine bis dahin unumstößliche Tatsache einfach umgekehrt, quasi ins Gegenteil gedreht.“

„Und was war die zweite Erkenntnis?“, frage ich sie.

  1. Erkenntnis: Ich begann zu mir selbst zu stehen. Mich nicht mehr so zu verstecken, also mein Inneres. Ich begann, eine andere Meinung als andere zu haben. Ich begann, das auszusprechen, was ich wirklich dachte. Mehr und mehr begann ich Dinge zu tun und zu verändern, die sich für mich stimmig anfühlten. Die sich leicht und gut anfühlten. Sicher, damit stieß ich auch Menschen vor den Kopf. Menschen wendeten sich auch von mir ab. ‚Früher warst du ganz anders!‘, sagten sie dann. Es klingt blöd, aber da wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Natürlich war es nicht immer leicht, das auszuhalten. Schließlich war ich mein ganzes Leben harmoniesüchtig gewesen. Das Paradoxe ist, dass ich jetzt viel mehr Harmonie in meinem Leben habe. Ich kann mich viel besser abgrenzen und habe einfach mehr Energie und Freude an meinem Leben.

Weißt du, was ich gelernt habe?“ Nina guckt mich mit blitzenden Augen an. „Je weniger ich mich verstellt habe, desto mehr habe ich die Menschen angezogen, die wirklich zu mir passen.“

Ich lächele Nina an. „Danke Nina, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast!“ Nina grinst: „Ach weißt du, es war einfach mal an der Zeit dieses innere Kind in mir zu befreien. Es aus seinem Gefängnis zu holen und ihm zu danken, dass es mir den Weg gezeigt hat. Schließlich haben diese Erfahrungen in meiner Kindheit – ja, sie waren schmerzhaft – mir den Weg gezeigt. Sonst wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin!“

„Und wo bist du jetzt?“, frage ich Nina. „Ich bin jetzt auf dem Weg, der zu mir passt. Ich habe mich selbständig gemacht mit dem, was ich meinem inneren Kind zu verdanken habe: Mit meiner Gabe, mich in andere Menschen hineinzuversetzen und ihre Energien zu spüren. Allerdings, sage ich den Menschen heute nicht mehr das, was sie von mir hören wollen, sondern das, was sie brauchen, um sich von den Erwartungen anderer befreien zu können – damit sie authentisch und stark ihren eigenen Weg gehen können.

Liebe Leserin, lieber Leser, wenn du bis hierher gelesen hast, fragst du dich vielleicht, ob es Nina wirklich gibt. Ja, es gibt sie. Nina heißt eigentlich Nicole. Und Nicole, das bin ich!

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Nicole Wendland von Neue Wege Entdecken