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Janine – dem Schmerz auf der Spur

Janine – dem Schmerz auf der Spur
Entspannung und Wohlbefinden Gesundheit und Ernährung

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Janine* war eine lebhafte lebensbejahende Frau, die einen meiner Yogakurse besuchte. Der Kurs zeichnete sich dadurch aus, dass er eher sportlich und dynamisch war, was viele Teilnehmer sehr schätzen: Herausforderung. Auch mal an die Grenzen kommen und trotzdem tief entspannt mit einem Lächeln nach Hause gehen. Irgendwann fehlte Janine jedoch immer häufiger und kam irgendwann gar nicht mehr.

Einige Zeit später traf ich sie. Blass, mit einem entschuldigenden Lächeln, begrüßte sie mich. Sie erzählte mir, dass sie im Moment immer häufiger Migräne habe. Die Anfälle häuften sich, sodass sie mitunter einen Anfall pro Woche hatte. „Dann hilft nur noch Medikament schlucken, möglichst frühzeitig, hinlegen und Ruhe.“ Ich fragte sie, was sie dann mit ihrem 6-jährigen Sohn Tom macht und ob sie sich krankmeldet. Janine erzählte mir: „Ja, ich melde mich dann krank. Es geht einfach nicht anders. Ich arbeite bei der Bank und mit Migräne kann ich mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Tom muss dann am Nachmittag auch mal so klarkommen. Ich bin ja zuhause, aber ich bin immer froh, wenn er sich verabredet oder auch mal zur Oma gehen kann.“ Janine wirkte ziemlich verzweifelt. Es war, als sei nur noch wenig Lebenskraft in ihrem Körper. „Ich halte das bald nicht mehr aus. Jede Woche liege ich da. Ich kriege gar nichts mehr geregelt. Immer mehr bleibt liegen.“

Janine wollte so gern wieder zum Yoga kommen, etwas für sich tun. Doch der Kurs sei zu anstrengend. Wir vereinbarten, dass sie am Yin Yoga – Kurs teilnimmt. Diese Yogarichtung ist sehr sanft, dehnt Muskeln und Faszien bis in die tiefsten Schichten und führt zu einer tiefen Entspannung. Eines Abends kam Janine freudestrahlend auf mich zu: „Nach dem Kursabend schlafe ich viel besser. Mein Mann hat auch schon bemerkt, dass es mir am nächsten Tag viel besser geht. Ich mache die Übungen jetzt auch zuhause. Vielleicht war ich einfach nur verspannt!“ Einige Wochen später sprach mich Janine erneut an. In letzter Zeit habe sie wieder so gehäuft Migräneanfälle und habe sich wieder mal krankmelden müssen. Ihr Vorgesetzter hatte so eine komische Bemerkung gemacht, als sie am nächsten Tag zur Arbeit kam. Janine hatte Angst ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Hilfesuchend schaute mich Janine an: „Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Das ist doch kein richtiges Leben. Inzwischen habe ich schon Angst vor der Migräne. Tom erlebt mich fast nur noch angespannt.“ Und so kam es, dass ich mit Janine zusammenarbeitete. Sie kam zu mir in die Praxis. Wir machten uns auf den Weg, um dem Schmerz auf die Spur zu kommen. Zunächst erzählte mir Janine aus ihrem Alltag:

„Mein Mann hat vor ein paar Monaten den Arbeitsplatz gewechselt. Jetzt sehen wir uns nur noch am Wochenende. Mir ist es wichtig, dass wir dann auch Zeit füreinander haben und ich mich nicht mit den üblichen Hausarbeiten beschäftigen muss. Tom findet das gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil, manchmal sagt er sogar, dass er froh ist, dass sein Papa während der Woche nicht da ist. Ich bin auch nicht so streng, wie sein Vater. Vielleicht liegt es daran. Seitdem mein Mann weg ist, haben sich die Anfälle gehäuft. Am Wochenende geht es zum Glück meistens. Aber das kriegt mein Chef natürlich auch mit und meint, so schlimm könnte es dann ja wohl nicht sein.

Tom ist im Moment echt anstrengend. Im Sommer ist er in die Schule gekommen und führt sich wie der King auf. Wenn ich ihm etwas sage, macht er es erst recht nicht. Hausaufgaben findet er doof und so sitzen wir jeden Tag stundenlang da. Ordentlich arbeiten? Fehlanzeige. Aber mir ist das wichtig. Ich seh‘ ja wie das bei der Bank ist. Wer nicht ordentlich und gewissenhaft arbeiten kann, hat heutzutage verloren. Manchmal lasse ich ihn alles noch mal schreiben. Ja, da bin ich dann doch streng. Es soll keiner sagen, ich würde mich nicht richtig um mein Kind kümmern. Das mache ich auch, wenn ich die Migräne habe. Ich geh auch zu allen Elternabenden und helfe bei Schulveranstaltungen mit. Schließlich habe ich nur das eine Kind. Da ist die Migräne keine Entschuldigung. Schwierig wird es natürlich, wenn ich mich doch krankmelden musste. Dann geht gar nichts mehr. Wie ein Stillstand. Tom macht was er will. Ich vegetiere nur noch vor mir hin. Kann nicht mehr denken. Tom guckt viel fern, ist am PC.

Das gleiche ich natürlich wieder aus, wenn es mir besser geht. Wir gehen schwimmen oder fahren ganz spontan in den Freizeit – Park, wenn es mal keine Hausaufgaben gibt. Ja, meine Familie ist mir wichtig. Da soll alles laufen und schön sein. Manchmal muss ich dann eben Verabredungen mit Freundinnen absagen. Hin und wieder gönne ich mir eine Massage. Schließlich muss ich auch mal was für mich tun.“

Resigniert schaut Janine mich an und fügt hinzu: „Der Arzt meinte, ich sollte mal mein Leben aufräumen, mehr Pausen machen. Das mache ich doch! Ich weiß wirklich nicht, was der glaubt. Soll ich etwa noch mehr Pausen machen? Wegen der Migräne falle ich doch sowieso ständig aus!“ Janine ist jetzt den Tränen nah. Verzweiflung liegt in ihrem Ton. „Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Bei uns in der Bank wird Personal abgebaut und ich weiß schon, wer dann versetzt wird. Ich! Bisher hat man mich verschont, weil ich dafür bekannt bin 1A – Leistung zu bringen. Ich habe mich, als Tom noch nicht da war, richtig hochgearbeitet. Diesen Posten will ich natürlich nicht aufgeben. Wenn man versetzt wird, sind es häufig mehr als 45 Minuten Fahrzeit. Dann kündigen viele Teilzeitkräfte schon von selbst. Das müsste ich dann auch. Schließlich kommt Tom immer ziemlich früh aus der Schule und in die Tagebetreuung will ich ihn nicht geben. Da werden die Hausaufgaben nicht gescheit gemacht!“

Ich schaue Janine an und erzähle ihr meinen Eindruck: Ich sehe eine Frau, die einen enorm hohen Anspruch hat. Eine Frau, die alles richtig machen will und den Anforderungen entsprechen will. Wenn sie keine Migräne hat, dreht sich alles um die anderen. Dadurch, dass ihr Mann während der Woche nicht da ist, hat sie für alles in der Familie die Verantwortung: Kind, Haus, Garten. Dazu kommt ihre Arbeit bei der Bank. Der Druck, der durch den Personalabbau ausgeübt wird. Ihr Wunsch alles 150%ig machen zu wollen. Von allen Seiten empfindet Janine unbewusst Druck. Wie ein Dampftopf steht ihr Kopf unter Druck. Dem Druck alles kontrollieren zu müssen, entzieht sich ihr Körper durch die Migräne. Dadurch verordnet ihr Körper ihr die dringend benötigte Auszeit. Eine mentale Auszeit! Während der Migräne denkt Janine nicht mehr über alles nach. Der Kopf hat Ruhe!

Nun zeige ich Janine die Klopfmassage (EFT = Emotional Freedom Taping) auch Klopfakupressur genannt. Es hat sich gezeigt, dass unser Körper nur eine bestimmte Menge von Reizen verarbeiten kann. Setzen wir also einen Reiz neben dem Schmerzreiz, das Klopfen, kann es sein, dass der Schmerz nachlässt bzw. nicht mehr so stark ist. Inzwischen weiß man in der Schmerzbehandlung, dass Berührung, Ablenkung und positive Zuwendung probate Mittel bei chronischen Schmerzerkrankungen sind.

Berührung, Ablenkung, positive Zuwendung – all das findet in der Klopfmassage statt. Während Janine bestimmte Stellen abklopft spricht sie eine Affirmation. Der Schmerz wird genau benannt und dann z.B. „Trotz meiner hämmernden Kopfschmerzen, akzeptiere ich mich und bin in Frieden mit mir.“

Das, was da ein bisschen formelhaft wirkt, hat eine enorme Wirkung auf den Körper. Diese Klopfmassage kann Janine immer dann anwenden, wenn sie merkt, dass sie angespannt ist oder die ersten Schmerzanzeichen aufkommen. Es ist eine Akutmassage, die langfristigen Erfolg verspricht.

Außerdem bekommt sie eine Meditation von mir, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Diese soll sie sich nach Möglichkeit täglich anhören. So lernt sie bzw. ihr Körper zu entspannen und loszulassen. Es ist völlig in Ordnung mal stressige Phasen zu haben und angespannt zu sein, wenn jedoch der Körper verlernt hat, wieder umzuschalten, dann ist es an der Zeit, es ihm beizubringen. Das tut Janine durch die Meditation.

Nun wäre es ein Leichtes Janine zu empfehlen, die Ansprüche an sich herunterzuschrauben, ihren Mann mehr miteinzubeziehen und Tom in die Betreuung zu geben. Dann wären alle Probleme gelöst. Der Haken ist jedoch, dass wir viele Überzeugungen und Einstellungen schon in unserer Kindheit erlernt haben. Diese sind im Körper so verankert, dass es sehr schwer und mühselig ist, sie zu verändern.

In einer energetischen Behandlung habe ich geschaut, woher diese hohen Ansprüche kamen, die Janine an sich hat. Ich führte Janine in einen tief entspannten Zustand. Durch gezielte Fragen fanden wir heraus, dass sie in einer Familie mit Gastwirtschaft groß geworden war. Es war der Mutter verständlicherweise total wichtig, dass alles wie am Schnürchen lief. Es gab nur wenig Privaträume, alles musste immer picobello sein. Ihre Mutter „schmiss“ den Laden und ging voll in dieser Tätigkeit auf. Es war der Vater der häufig kränklich war. Er war eher introvertiert. Es war sein Weg, sich aus allem rauszuziehen. Janine hatte die Überzeugungen der Mutter verinnerlicht und das Verhalten des Vaters übernommen. Während der Behandlung gehen wir in diese Zeit zurück. Janine spürt nach, wie sie sich damals gefühlt hat. Schaut sich den Schmerz an. Dieses Gefühl, funktionieren zu müssen liegt nun wie ein Stein auf ihrer Brust. Diese Energie war jahrelang in ihrem Körper „eingekapselt“ und stand ihr damit nicht zur Verfügung. Es war, als wenn die Energie in ihrem Kopf eingekapselt gewesen war. Noch in der Behandlung löst sich dieser Druck auf.

Nach der Behandlung schaut Janine mich mit großen Augen an: „Das war ein echter Augenöffner. Mir war gar nicht klar, dass mich das immer noch so belastet. Weil meine Mutter alles ganz motiviert und mit Energie gemacht hat, ist es mir gar nicht in den Sinn gekommen, dass ich davon Negatives mitgenommen habe. Jetzt weiß ich auch, warum es mich immer so ärgert und wütend macht, wenn sie so voller Tatendrang ist.“

Natürlich ist Janines Migräne damit noch nicht weggezaubert. Aber sie hat nun verschiedene Tools, um sich auf den Weg zu machen. Sie kann nun viel wohlwollender auf sich schauen, weil sie weiß, dass die Migräne ihr ein Zeichen gibt. Die Migräne will sie auf etwas hinweisen. Darauf, wieder mehr in sich hinein zu spüren, darauf, was sie selbst will. Bisher hatte sie viel Zeit damit verbracht, zu spüren, welche Bedürfnisse ihr Mann, ihr Sohn usw. hatten.

Nach einigen Wochen erzählt sie mir im Anschluss an die Yogastunde: „Ich habe immer noch Migräne, aber viel, viel seltener. Jetzt hatte ich schon einen Monat keinen Anfall mehr. Ich habe mich in eine andere Abteilung versetzen lassen und habe meine Arbeitszeit reduziert. Die Arbeit fällt mir viel leichter und ich kann anschließend besser abschalten. Tom habe ich nicht in die Betreuung gegeben, aber ich übe gerade es auszuhalten, dass er die Hausaufgaben mehr und mehr allein macht. Es dürfen auch mal Fehler drin sein. Fehler dürfen schließlich sein. Daraus kann man nur lernen!“, sagt sie mit einem Lächeln. „Ich habe jetzt auch wieder mehr Energie. Am Wochenende muss mein Mann jetzt auch mehr mit anpacken. Das scheint ihm gar nichts auszumachen. Er meint sogar, die körperliche Arbeit im Garten tue ihm nach der ganzen Woche sitzen gut. Hätte ich ihn mal eher gefragt.“

Vermutlich wird sich die Migräne immer mal wieder zeigen, aber Janine ist nun tatsächlich im Frieden mit sich selbst und der Migräne.  Die Migräne ist ihr Wegweiser, ein Signal, dass sie etwas ändern darf. Und das nimmt sie ernst. Diesen Teufelskreis aus Anspannung, Migräne, noch mehr Anspannung, wieder Migräne will sie auf keinen Fall mehr. Dafür liebt Janine ihr neues selbstbestimmtes Leben zu sehr. Manchmal kommt es ihr vor, als sei sie wie neugeboren.

*Name und Umstände geändert

 

Nicole Wendland
Hier geht es zu ihrem Profil bei nova:
https://nova-lebensraum.de/item/nicole-wendland-von-neue-wege-entdecken/