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Katzensprache verstehen – die Grundlage für eine harmonische und erfüllte Katze – Mensch – Beziehung

Katzensprache verstehen – die Grundlage für eine harmonische und erfüllte Katze – Mensch – Beziehung
Mensch & Tier

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Katzen geben immer noch Rätsel auf; sie gelten als undurchschaubar, stolz und hochmütig – zumindest bei Menschen, die sich bisher wenig mit ihnen beschäftigt haben.

Hunde hingegen sind, da sie wesentlich mehr auf den Menschen fixiert sind, leichter zu verstehen, (fast) immer bestrebt, mit ihren Menschen in Kontakt zu bleiben und diesen auch zu gefallen.

Und doch – oder gerade deswegen – schlägt mein Herz für Katzen, die in ihrer Körpersprache subtiler sind, leiser kommunizieren und autarker in ihrer Lebensweise.

Mittlerweile lese ich in meinem nun bereits 16jährigen (ehemaligen Tierschutz)Kater Sisko wie in einem offenen Buch – ich gebe zu: Bin ich unaufmerksam, schleicht sich auch schon einmal ein Lesefehler ein und ich brauche ein wenig, bis ich weiß, wo Sisko die Pfote drückt.

Um eine fremde Sprache („Kätzisch“) in ihrer Komplexität vollständig zu erfassen, braucht es einer gewissen Sprachbegabung (Empathie), Wissen (über Mimik und Körpersprache) und Übung.

Erst durch die Anwendung der gelernten Sprache (Reaktion auf ein Katzensignal) erfahren wir, ob unsere Übersetzung fehlerhaft (Katze kratzt oder beißt) oder korrekt ist (Katze gibt Köpfchen und schnurrt).

Welche Möglichkeiten sind einer Katze gegeben, mit uns zu kommunizieren?

Die Mimik

Um den Gesichtsausdruck einer Katze richtig deuten zu können, braucht es Erfahrung, denn die Mimik einer Katze unterscheidet sich doch sehr stark von der des Menschen: Ein entspanntes Blinzeln mit den Augen bedeuten Friedfertigkeit und Wohlbehagen; versuchen Sie doch einmal, Ihrer Katze zuzublinzeln – zwinkert sie zurück, lächelt sie Ihnen zu.

Auch wenn es bei uns Menschen als höflich gilt, seinem menschlichen Gegenüber beim Gespräch mehr oder weniger tief in die Augen zu schauen, ist es doch nicht ratsam, diese Blicke an einer fremden Katze zu testen, bedeutet es doch für diese eine Bedrohung. Wollen Sie einen guten ersten Eindruck hinterlassen, sehen Sie lieber knapp an der Mieze vorbei, blinzeln ab und zu friedfertig und gähnen Sie ausgiebig – der Stubentiger speichert Sie dann als „ungefährlich“ ab und erklimmt vielleicht sogar bei der nächstbesten Gelegenheit Ihren Schoß.

Spannenderweise können Sie die Stimmung einer Katze auch an Ihren Schnurrhaaren, den sog. Vibrissen, ablesen – in Kombination mit der Stellung der Ohren und der Größe der Augen ergibt sich meist ein schlüssiges Gesamtbild.

Wussten Sie, dass es möglich ist, allein am Gesicht einer Katze abzulesen, ob sie an Schmerz oder Unwohlsein leidet? Zugegeben – es gehört viel Übung dazu, ein typisches Schmerzgesicht zu erkennen: Gesträubte Stirnhaare, relativ eng anliegende Barthaare, etwas waagerecht gestellte Ohren und leicht zugekniffene Augen sind wichtige Indikatoren. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mit diesen typischen Gesichtsmerkmalen vertraut zu machen, geht doch eine Katze nicht damit hausieren, dass sie leidet (Hunde hingegen täuschen sogar manchmal eine Verletzung vor, um Ihre Menschen zu manipulieren).

Noch wichtiger, da auffälliger, sind Körpersprache und Verhaltensweisen unserer felinen Familienmitglieder; doch deren Interpretation will auch erst einmal erlernt sein.

Körperhaltung und Verhalten

Eine Katze, die gurrend und mit erhobenem Schanz auf uns zugelaufen kommt, kann gar nicht missverstanden werden, genauso wenig wie die Samtpfote, die alle Viere von sich gestreckt in Rückenposition auf der bequemen Couch liegt und schläft.

Und dann wird es auch schon schwierig:

Eine Katze, die mit dem Schwanz schlägt, ist entweder aufgeregt, genervt oder hat Schmerzen.

Eine Katze, die fest zusammengerollt auf einer Decke liegt, ist entweder sehr angespannt, möchte keinen Kontakt zu anderen oder befindet sich in einem kalten Raum und schützt ihren Körper vor der Auskühlung.

Eine Katze, die die Bettdecke plötzlich als geeigneten Ort für ihre Ausscheidungen ansieht, kann gestresst sein, ist vielleicht ein Mobbingopfer und traut sich nicht mehr auf das Katzenklo, leidet an einer Harnwegserkrankung oder Diabetes oder ist mit der Toilettensituation nicht mehr zufrieden.

Ich möchte Ihnen gerne eine typische Situationen beschreiben, die zwischen Katzenhaltern und Vierbeinern oft zu Missverständnissen führt und die auch schwerwiegende Folgen haben kann:

„Meine Katze beißt ganz plötzlich zu, wenn ich sie streichle.“

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Der Mensch Carla sitzt gemütlich auf der Couch, auf ihrem Schoß eine kuschelige Decke und Nala, die 5jährige Schildpattkatze. Carla streichelt Nala, während sie einen Film schaut, der so vor sich hindümpelt; daher schnappt sie sich ihr Smartphone und scrollt mit einer Hand – die andere ist immer noch mit Streicheln beschäftigt – durch ihre WhatsApp-Nachrichten. Plötztlich beißt Nala in die Hand Ihres Frauchens und springt fauchend von ihrem Schoß; Carla ist schockiert und kann sich die heftige Reaktion ihrer Katze nicht erklären.

Was war passiert?

Wechseln wir einfach die Perspektive und schlüpfen für einen Moment in Nalas Haut: Sie hat es sich auf dem Schoß ihres Menschen gemütlich gemacht und genießt ihre Steicheleinheiten, was sie mit einem vernehmlichen Schnurren anzeigt.

Nach einigen Minuten reicht es der Katzendame mit den Liebkosungen und daher stellt sie ihr Schnurren ein – den Platz auf dem Schoß möchte sie ungern aufgeben, denn gemütlich ist es ja schon hier. Doch die Hand weicht nicht von ihrem Rücken und langsam empfindet sie die immer gleichen Berührungen auf der Haut als unangenehm, denn sie gehört zu den etwas empfindlichen, leicht gestressten Vertretern ihrer Art. Diese Missempfindung bringt sie deutlich zum Ausdruck, indem sich ihre Körpermuskulatur anspannt und ihre Schwanzspitze zu zucken, dann zu schlagen beginnt. Doch ihr Mensch ignoriert Nalas sehr deutliche körpersprachliche Hinweise noch immer, bis die kleine Katze genug hat, in ihrer Not in die Schmerz verursachende Hand beißt und völlig erregt ihren Platz verlässt.

Der Fehler lag also eindeutig bei Carla, die so sehr mit Ihrem Smartphone beschäftigt war, dass sie nur nebenbei ihre Nala streichelte und unmissverständliche kätzische Körpersignale missachtete bzw. gar nicht mitbekam.

Wird Carla Nala gegenüber weiterhin unaufmerksam bleiben und nicht auf deren Körpersignale achten, überspringt die Schildpattkatze nach einiger Zeit die Signale „Körperanspannung“ und „Schwanzzucken“ und beißt gleich zu, wenn ihr das Streicheln unangenehm ist.

Auswirkungen auf die Mensch-Katze-Beziehung

Sie können sich sicher vorstellen, dass sich in dieser Mensch-Katze-Beziehung Misstrauen einschleicht, was zu einer großen Verunsicherung auf beiden Seiten führt. Nicht wenige Katzen wurden bereits aus dem Grund „Die ist total aggressiv!“ ins Tierheim abgegeben.

Zum Glück ist unsere Carla aber ein feinfühliger Mensch und daher in der Lage, den Perspektivwechsel nachzuvollziehen. Aus dieser ersten unglücklichen Situation hinaus lernt sie, auf Nalas Körpersignale zu achten und rechtzeitig mit dem Streicheln aufzuhören. Sie wartet nicht erst, bis ihre Katze sich anspannt, sondern hört dann auf mit ihrern Liebkosungen, wenn Nalas Schnurren gerade so am Abebben ist. Damit erreicht sie, dass ihr kätzischer Schützling in diesem wunderbaren Entspannungszustand bleibt und das gegenseitige Vertrauen durch die Respektierung des Bedürfnisses Nalas nach „Handkontaktabbruch“ wieder gefestigt wird.

Es gibt viele solcher Beispiele, die zeigen, wie wichtig es für eine stabile, vertrauensvolle Mensch-Katze-Beziehung ist, genau auf die Körpersprache der eigenen Katzen zu achten, diese richtig zu interpretieren und entsprechend zu reagieren. Nur so können wir gewiss sein, ein stabiles Vertrauensverhältnis zu unseren Katzen aufzubauen und das Zusammenleben mit unseren felinen Mitbewohnern zu genießen.

Bleiben Sie aufmerksam, es lohnt sich!

Katja Henopp,

Katzenpsychologie, Tierheilkunde & Kurse

www.leben-mit-katze.de

Katja Henopp

Weitere Informationen auf meinem Profil:
https://nova-lebensraum.de/item/leben-mit-katze-tierheilpraxis-katja-henopp/