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Vom achtsamen Lesen

Vom achtsamen Lesen
Persönliche Weiterentwicklung

Wann hast du das letzte Mal bewusst ein Buch in die Hand genommen, sein Gewicht gespürt, sanft über seinen Einband gestrichen und seinen Geruch wahrgenommen, um es dann erst einmal bedächtig durchzublättern?

Egal, ob du es schon hundertmal gelesen oder gerade erst ausgewählt und gekauft hast, sich auf ein Buch wirklich einzulassen, bedeutet mit dem Autor in Zwiesprache zu treten.

Von guten und schlechten Lesestoffen

Ist das Einlassen auf die Lektüre auch mit jedem Buch möglich? Erich Fromm sagt dazu Folgendes: „Einen kunstlosen, billig gemachten Roman zu lesen, ist eine Form des Tagträumens. Es gestattet keine produktive Reaktion, der Text wird geschluckt wie eine belanglose Fernsehsendung oder die Kartoffelchips, die man gedankenlos beim Zuschauen ist.“ (Quelle, E. Fromm, Haben oder Sein)

Es gibt also „Konsum-Bücher“ – die Massenware an oberflächlichen Romanen, Erzählungen aber auch Sachbüchern, oft wie am Fließband produziert. Die Buchhandlungen sind voll davon. Diese Bücher werden gerade auch im Urlaub in Massen verschlungen und bei jeder Gelegenheit (sei es am Pool, beim Essen oder während der Fahrt) hervorgekramt. Interessant dabei ist: Wir fliegen ausgerüstet mit mehreren Büchern (weil wir endlich mal wieder Zeit zum Lesen haben) in ein fremdes Land, das wir mit allen Sinnen entdecken könnten, liegen dort permanent lesend am Pool, um später dunkelbraun zurückzukehren und zeigen zu können: „Ja, ich war im Urlaub.“ Konsum-Lesen schottet ab: macht blind, lenkt ab und betäubt. Um nicht der Langeweile ausgesetzt zu sein, lassen wir uns fortwährend von Fortsetzungsromanen beschallen. Leider entgeht uns dabei völlig die Einzigartigkeit der Natur des Landstriches, die bereichernden Gespräche mit den Menschen, die dort leben, wo wir Urlaub machen, die Auseinandersetzung mit der anderen Kultur. Alles bleibt oberflächlich, wird ohne Wirkung konsumiert. Oh natürlich, ich vergaß: Zum Glück gibt es den Urlaub aus der Konserve, denn wir haben ja eine Menge Fotos gemacht. Nichts war also umsonst …

Bereicherndes Lesen

Kommen wir zurück zum Lesestoff: Ein Buch, das z.B. auf einer Reise bereichert, hat viele Qualitäten: Vielleicht schenkt es mir neue Einblicke in das Land, das ich besuche oder Impulse für Gespräche oder Ausflüge. Vielleicht finde ich aber auch die Muße, mir über die Lektüre näher zu kommen. Solche „tiefen“ Bücher als Urlaubs- oder Freizeitbegleitung sollten achtsam ausgewählt werden. Oft braucht man gar nicht vier oder fünf, sondern eines ist völlig ausreichend. Achtsames Lesen folgt also immer auch einer Reduktion auf das Wesentliche, um Raum für eigene Gedanken zu schaffen und zuzulassen.

Wie treffe ich eine gute Wahl?

Von Bedeutung ist in erster Linie, ob die Lektüre fähig ist, in mir etwas auszulösen. Gibt sie mir Denkanstöße, Bereicherung und echte Entspannung? Kann ich daraus etwas für meinen Lebensweg mitnehmen? Diese sind wohl die wichtigsten Fragen, denn sie bringen eine gewisse Struktur in die Wahl meiner Lektüre und lassen mich auf dem überfluteten Buchmarkt die wirklichen Perlen erkennen – irgendwann sogar mit einer schlafwandlerischen Sicherheit. Und ich werde darüber hinaus die Bücherei oder den Buchladen auf neue Weise entdecken und auch hier bald die guten (wie auch die guten Verkäufer*innen!) erkennen.

Lesen kann über die achtsame Auseinandersetzung mit der Lektüre Horizonte öffnen, unerwartete Antworten bereithalten und dabei unterstützen, Lebenswege zu ebnen und einen wichtigen Teil zur (geistig-)aktiven Entspannung beizutragen. Denn über das Zwiegespräch mit dem Autor reflektiere ich innere und äußere Zusammenhänge neu. Und über diese Erfahrung stellt sich Mut ein und ich traue mich gedanklich und später auch im Austausch an Themen heran, von denen ich dachte, ich hätte keinen Zugang zu ihnen.

Dem Gehirn etwas Denkstoff zu verpassen, tut wirklich gut, denn der lesende Blick über den berühmten Tellerrand eröffnet neue Perspektiven und verhilft dazu, die Welt und sich selbst darin mit anderen Augen zu sehen. Und im Hinblick auf ein neues Miteinander sorgt er für bereichernden Gespräch- und Diskussionsstoff.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine achtsame Auswahl deiner Sommerlektüre.

Bettina Wistuba, Achtsamkeits- und Kreativitätstrainerin, Sensitive Coach

NaturTalent    www.bettinawistuba.de