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Vom Erwachsenwerden und warum das so verwirrend ist

Vom Erwachsenwerden und warum das so verwirrend ist
Persönliche Weiterentwicklung

 

Unaufhörlich stößt mich das Leben auf Themen, die angeschaut, die hinterfragt werden wollen und die ich für mich neu definieren muss. Ich will mich nicht mehr blenden lassen und ich will mich leer machen. Leer machen von all den Vorstellungen, die ich übernommen hab, als Kind und Jugendliche. Ich will die Freiheit entdecken, selbst für mich zu entscheiden! In den letzten Monaten meines Lebens drehte sich vieles darum, wie für mich Beziehungen zu Menschen aussehen sollen. Denn ich habe erkannt, dass meine bisherigen Ideen und Erwartungen gar nicht von mir selbst kamen. Stattdessen habe ich unreflektiert übernommen, was mir Eltern, Medien, Bücher und Schule erklärt und vorgelebt haben. Im Auflösen dieser Muster beginnt Freiheit zu entstehen und Raum. Und ich fülle ihn neu, mit meinen selbst gemachten Erfahrungen und das Leben beschenkt mich reich, denn es schickt mir die perfekten Menschen dafür. In einem Telefonat mit einem lieben Menschen erkannte ich aber erst, dass dieser Prozess nur möglich war, weil davor etwas ganz anderes passiert war.

Ich bin erwachsen geworden.

 

Ein Telefonat mit vielen Erkenntnissen

In diesem Telefonat drehte sich vieles um das Wort „erwachsen sein“ und ich spürte einen großen Widerstand bei den geäußerten Gedanken, dass ein bestimmtes Verhalten eben erwachsen sei. Und ich weiß, dass Generationen uns trennen und sich daher auch die Ideen von diesem Begriff deutlich unterscheiden. Ich arbeite jeden Tag mit Kindern und ich habe die Vision und das Ziel, dass ich diesen Kindern etwas mitgeben kann, damit sie starke, selbstbewusste und sich selbst liebende Erwachsene werden können. Doch auch da unterschieden sich die Vorstellungen im Beruf oft sehr, was für Kinder wichtig ist und was nicht. Ich habe so oft das Gefühl „gegen“ die anderen und ihre Sichtweise kämpfen zu müssen und so erging es mir auch bei diesem Telefonat. Als müsste ich mich rechtfertigen dafür, dass ich so bin wie ich bin. Und mich augenscheinlich nicht so verhalte wie das „erwachsene Menschen“ nun mal so tun… Und da explodierten gnädigerweise die Synapsen in meinem Kopf und ich wusste, ich muss darüber schreiben. Denn liebe Mitmenschen… ich gehe einen anderen Weg! Und ich wünsche mir, dass noch viel, viel mehr Menschen diesen Weg gehen! Nämlich ihren eigenen!

Was ist das… dieses „Erwachsensein“…

Wenn wir uns in der „normalen“ Welt einmal umsehen, dann bedeutet erwachsen werden, dass wir es erfolgreich schaffen uns an die bestehenden Umstände anzupassen. Im Job, in einer nicht wirklich erfüllten Beziehung, in einem nicht wirklich erfüllten Leben. Wir motzen hier und da, leiden, manchmal werden wir auch krank, aber wir bleiben brav im System, brav im Hamsterrad. Und wir sind damit vor allem eins: verdammt bequem für alle anderen. Erwachsen sein bedeutet auch, dass ich als Frau wohl einen natürlich angeborenen Kinderwunsch haben sollte und die Vorstellung einer normalen, monogamen Beziehung mit Haus, Kind und Hund. Und das am besten nicht zu spät und nicht zu früh. Bis auf den Hund bin ich da irgendwie schon immer rausgefallen… Wir sollen vernünftig sein, uns vernünftig verhalten, rational bleiben und unsere Emotionen bloß nicht zu sehr nach außen tragen. Damit sind ohnehin alle überfordert und man gilt schnell als schwach und verletzlich. Das darin eine große Kraft und Authentizität steckt, wird selten gesehen. Wir sollen aufhören zu träumen und das Leben hinnehmen. Aufhören unsere Visionen zu verfolgen, sondern akzeptieren, dass das Leben kein Wunschkonzert ist. Und so stumpfen wir tagtäglich immer mehr ab und verlassen uns, unseren Körper, unsere Emotionen, unsere Seele. Wir betäuben uns mit Essen, Sport oder dem Fernseher. Wir wissen nichts mehr mit uns selbst anzufangen und klammern uns verzweifelt an andere, damit sie unsere Leere füllen. Wir haben unsere Kreativität, unsere Lebendigkeit und unsere Träume vergessen, weggeschoben, unterdrückt – weil man sonst in dieser „normalen Welt“ kaum bestehen kann. Wir haben vergessen, dass wir alle wegen einem einzigartigen Grund hier sind, so wie wir alle absolut einzigartig sind! Unsere Essenz ist verschüttet und das macht uns krank, leer, depressiv, aggressiv, süchtig und zu permanent Suchenden.

In alten Kulturen waren Übergangsrituale/Initiationen ein selbstverständlicher Teil auf dem Weg hin zum „erwachsen werden“. Unserer modernen Gesellschaft fehlen diese Rituale, fehlt die Gemeinschaft, dass begleiten. Es ist so viel schwieriger, sich zu orientieren.

 

Als „Erwachsene“ hab ich mich selbst verloren

Das normale „erwachsen sein“, so wie es von mir erwartet wurde, hat mich unglücklich gemacht. Jahrelang. Und ich wusste es nicht einmal. Ich habe versucht den Erwartungen zu entsprechen, mich anzupassen, meine berufliche Rolle zu finden und festzuhalten und hab Sicherheit zu meinem wichtigsten Gut gemacht. Ich habe versucht, Leistung zu bringen, um damit erfolgreich zu sein und gesehen zu werden. Ich wollte dazu gehören und ich bin fleißig und artig im Hamsterrad gelaufen, gerannt, geschlichen und herum gepurzelt. Bis es mich einmal ordentlich raus schmiss. Körperliche Totalverweigerung, aber kein Problem… einfach ein bisschen Therapie, ein guter Arzt und schon stand ich wieder auf den Beinen, bereit für die nächsten Jahre. Aber egal wie viel Coachings ich machte, wie viel ich schrieb, wie viel ich an mir arbeitete, an meinen Problemen und Verletzungen, ich fühlte mich nicht wirklich glücklich. Irgendetwas stimmte nicht und ich konnte nie genau benennen, was es war. Ich spürte nur immer wieder Wut und Widerwillen, wenn mir Menschen aus Vernunftsgründen meine Träume ausreden wollten. Und ja, ich weiß, dass sie es nur gut meinen, dass sie mich lieben und beschützen wollen. Aber es macht mich nicht glücklich, meine Träume zu vergessen, das Hamsterrad zu akzeptieren und meinen Beruf nur als Beruf zu sehen. Ich kann mein Herz nicht abschalten. Und ich will es auch nicht!

Erwachsen bedeutet die Freiheit zu finden, mich für mich selbst zu entscheiden

Seit über einem Jahr habe ich mein Leben auf den Kopf gestellt. Jobwechsel, Beziehungsende, Zeiten ohne einen Job, Alleine sein, abgefahrene Erfahrungen, abgefahrene Menschen, abgefahrene Workshops und Begegnungen mit Feuer und Leidenschaft, eine Neuentdeckung meiner Weiblichkeit – meines frau seins – und ein Vertrauen… ein Vertrauen in mich selbst und meine Intuition. Und ich habe das Gefühl, ich bin erst jetzt, mit 33 Jahren wirklich erwachsen geworden. Weil ich mir erst mit 33 Jahren zugestanden habe, mich selbst zu lieben, mich selbst zu unterstützen, mich selbst in meinen Fokus zu stellen und mir selbst und dem Leben zu vertrauen. Meine Träume sind Wegweiser! Genauso wie die Freude und die Momente des Flows und der Leidenschaft. Ich will kein abgestumpfter Zombie sein, der sich selbst nicht erträgt. Ich will abends den Fernseher ausschalten und solche Texte schreiben, die meine Seele brennen lassen. Erwachsen zu sein heißt für mich, die Verantwortung für mich zu übernehmen! Ganz.

Ich will die Dinge hinterfragen und für mich neu definieren! Ich will wach sein und bewusst und spüren, was sie richtig und was sich falsch anfühlt. Und ich will meiner Intuition vertrauen und mich von ihr leiten lassen. Ich will mir kein festes Leben mauern, sondern lernen im Fluss zu schwimmen und offenzubleiben, und weit. Ein weites Herz will ich haben und meine Verletzlichkeit will ich zeigen! Ich will Menschen von Herz zu Herz begegnen und Fehler machen dürfen. Denn ich weiß nicht alles und ich scheitere oft. Aber ich lerne! Und ich will meinen eigenen Weg finden und gehen, auch wenn er von dem abweicht was als „normal“ betrachtet wird. Denn das ist gar nicht mein Ziel. Mein Ziel, mein innerer Drang, der Ruf… ist meine Essenz zu leben. Ich will ein Leben voller Lebendigkeit und Liebe, in dem ich die Komfortzone verlasse und nichts bereuen muss. Ich will mir lieber die Finger an der Liebe verbrennen, anstatt nicht mit all meinem Sein geliebt zu haben! Ich will die verrückten, wilden Seiten in mir genauso zeigen und ausdrücken, wie die stillen und sensiblen. Ich will mich nicht festlegen und in Muster pressen lassen, denn ich bin wie das Leben selbst. In ständiger Veränderung und manchmal unberechenbar. Ich will etwas riskieren und über meine Schatten springen und innerlich vor Unsicherheit zittern und doch die Aufregung völlig genießen. Erwachsen sein bedeutet doch nicht, dass wir aufhören müssen und selbst ausfüllen zu wollen!

Ich soll mich also erwachsen verhalten… ich bin erwachsen geworden, als ich anfing zu hinterfragen was „normal“ ist und erkannt habe, dass erwachsen sein für mich bedeutet meinen eigenen Weg zu gehen und meine Integrität zu meinem Leuchtturm zu machen. Ich bin nicht hier um jemanden zu retten, ich bin nicht hier um es jemandem recht zu machen und dessen Erwartungen und Vorstellungen zu erfüllen. Ich bin wegen mir hier! Und ich habe die Aufgabe mich selbst zu leben – damit ich nicht umsonst auf dieser Welt gewesen bin.

Für mich sind „echte“ Erwachsene die Menschen, die ein lebendiges Leben führen, dass ihrer Essenz entspricht. Und wenn sie das tun – tun sie ganz von selbst auch etwas für alle anderen.

Eure Verena

 

Verena Platte

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