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Von Mauern, Grenzen, Selbstverantwortung und Selbstliebe…

Von Mauern, Grenzen, Selbstverantwortung und Selbstliebe…
Persönliche Weiterentwicklung

… eine aufregende Reise immer mehr zu meiner wahren Essenz

Schon viele, viele Jahre lang beschäftige ich mich, als hochsensible Frau und Pädagogin mit den Themen Grenzen und Mauern. Beruflich fällt mir das nach einigen Jahren auch wirklich relativ leicht. Ich bin ganz klar in meiner Rolle, als Erzieherin und das hilft mir sowohl beim Abgrenzen und klar sein, als auch dabei mit grenzverletzendem Handeln anderer Personen umzugehen. Im Privatleben sieht das ganz anders aus und da sich im Moment so vieles in mir verändert und neu sortiert, möchte ich heute genau darüber schreiben.

Als „Hochsensibler“ bin ich ein wahrer Profi darin geworden, genau zu spüren, wo die Grenzen anderer liegen und diese zu respektieren. Ich habe das starke Bedürfnis wirklich niemanden zu verletzen, durch eigenes, unkontrolliertes und unreflektiertes Verhalten und ich habe ohne viel darüber nachzudenken, darauf jahrelang den Fokus gelegt. Ein Versuch mich immer richtig und perfekt zu verhalten, was den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass ich keine Angriffsfläche in Streits geboten habe, schließlich habe ich ja immer alles „richtig“ gemacht und konnte „nicht schuld“ sein. Dass ich mich jahrelang selbst verraten habe, wurde mir erst vor knapp einem Jahr wirklich bewusst.

 

Ein Blick in den Spiegel, der alles veränderte

An diesem Tag kam ich von einem Treffen mit meinem Exfreund nach Hause. Trotz der Trennung waren wir immer noch total verheddert und ich konnte nicht aufhören mir Hoffnung zu machen. Also begab ich mich immer wieder in die Situation ihn zu sehen, nur um mich danach noch elendiger zu fühlen. Nach diesem (letzten) Treffen stand ich in meiner Wohnung, lief zu meinem Spiegel und schaute mir selbst eine undefinierbare Zeit lang in die Augen. Ich glaube, ich habe mir noch nie so ehrlich und so lange in die Augen gesehen und es war mir, als könnte ich den ganzen Schmerz meines inneren Kindes sehen. In diesem Moment begriff ich, dass ich aufhören musste! Dass ich nicht aus meinem Bedürfnis nach Kontakt heraus, immer wieder mich selbst und mein inneres Kind verraten durfte. Mit diesem Moment, mit diesem direkten Kontakt zu mir selbst, begann mein Weg zurück zu mir selbst.

Was nicht heißt, dass es danach leichter lief, oder ich immer wusste, was zu tun war. Ganz im Gegenteil ziehe ich mit traumwandlerischer Sicherheit Menschen in mein Leben, die immer wieder die gleichen Punkte in mir triggern. Meine Lehrmeister! Denn mit jeder Situation werde ich klarer und bewusster. Ich verstehe langsam, Stück für Stück, dass die wichtigste Beziehung in meinem Leben, tatsächlich die zu mir ist! Auch wenn das abgedroschen klingt und man es doch irgendwie auch weiß… ich kann es mittlerweile so deutlich spüren. Und zu dieser Beziehung gehört, dass ich auf mich achte und nicht anderen Menschen zuliebe, über meine Grenzen gehe. Was mich total herausfordert, denn in mir sind so schöne Muster abgespeichert wie:

Wenn ich nicht den Erwartungen des anderen entspreche, könnte ich abgelehnt und verlassen werden.

Und so werde ich vor allem mit meiner Verlustangst konfrontiert, wenn es darum geht, für mich selber einzustehen. Es fühlt sich wie eine Entscheidung zwischen mir, oder dem anderen an und in der Vergangenheit wählte ich immer die andere Person.

 

Meine Mauern… mein prophylaktischer Schutz vor der „bösen“ Welt

Lange, lange wusste ich nicht, wie es denn aussehen könnte, wirklich gut auf mich aufzupassen, Verantwortung zu übernehmen und das alles in einem gesunden, liebevollen Maß. Ich habe mir einfach Mauern gebaut. Mauern, die mich davor schützen sollten, andere zu sehr an mich ran zu lassen. Mauern, die mich sicherheitshalber vor anderen abschotteten und mich aber auch immer in ein Gefühl von „alleine sein“ führten.

Im Mai nahm ich an einem Schweigeretreat teil und es war toll! Aber ich bin so dermaßen gegen meine eigenen Mauern geknallt! Ich konnte mich nicht zeigen, ich fühlte mich schrecklich gehemmt, wollte mich so gerne öffnen und war doch immer im Rückzugsmodus. Die Mauern waren da und ich konnte nichts gegen sie machen. Ich spürte sie permanent und ich spürte die Anspannung in mir, den anderen wahrlich zu begegnen. Dieses Wochenende führte mir deutlich vor Augen, dass ich etwas gegen diese Mauern tun wollte. Denn ich hatte eigentlich Lust ein Teil der Gemeinschaft zu werden, aber war aus meinem Inneren heraus dazu nicht in der Lage. Meine Mauern hatten die Kontrolle über mein Leben und über meine Möglichkeit der Begegnungen übernommen. Aus dem Gefühl heraus mich schützen zu müssen, hatte ich dafür gesorgt, dass mir niemand mehr zu Nahe kommen konnte. Und das, obwohl das überhaupt nicht das war, was ich mir eigentlich wünschte.

Was ich mir wünsche, sind echte Begegnungen mit offenem Herzen. Und auf das Leben ist verlass, denn ein weiterer Mensch purzelte hinein und überforderte mich völlig. Ein Mensch, der die Mauern sofort spürte und sie durchschaute. Es war, als könnte ich mich nicht vor ihm verstecken. Ich versuchte es trotzdem, aber es gelang mir nicht. Stattdessen durfte ich erleben, wie heilsam es ist, sich wirklich offen zu begegnen, sich zu trauen sich zu zeigen und dabei einfach sein zu dürfen. Und wie richtig sich das für mich anfühlte. Denn im Endeffekt sehne ich mich genau danach. Nach Begegnungen, die pur und echt sind!

 

Sind Mauern denn wirklich notwendig?

Das Leben gab mir also eine Idee davon, wie es sein könnte, wenn ich mich traue, mich zu zeigen. Allerdings wusste ich noch nicht, wie ich das schaffen sollte, ohne dass mich jemand so bewusst dazu aufforderte. Ich stellte mir die Frage, wie ich es von mir aus schaffen kann? Mich zu zeigen, ohne Masken, verletzlich, echt, und dabei trotzdem gut auf mich acht zu geben? I had no idea…

Bis zu einem weiteren Seminar, dass sich vor allem mit dem Thema Selbstliebe befasste. Eine totale Herausforderung für mich, denn es war in der Ausschreibung sehr deutlich, dass es um viele praktische Begegnungsübungen mit den Teilnehmern gehen würde. Genau das, was mir Angst machte und ich immer versucht hatte in meinem Leben zu vermeiden.

Fremden Menschen zu begegnen… keine Ahnung, wie das ohne Mauern gehen sollte… aber ich fühlte, dass es der richtige Ort für mich sein würde und ging mit klopfendem Herzen einem lebensverändernden Wochenende entgegen.

Ich begegnete Menschen! Permanent. Ich war offen, ich zeigte mich, ich weinte und tanzte, berührte und wurde berührt und sprach über so tiefe Dinge mit völlig unbekannten Personen… es war verrückt. Nicht in Worte zu fassen, was diese Tage mit mir machten. Mich in einem Raum zu befinden, in dem so viel ehrliches Sein möglich war, war herzöffnend und heilend. Zu spüren, dass jedes Gefühl sein durfte, war so entspannend. Und zu wissen, dass ich allein entscheiden konnte, wie weit ich gehen wollte, wie sehr ich mich öffnen wollte, ob ich an Übungen teilnehmen wollte, oder nicht, führte zu einer erstaunlichen Erleichterung.

Ich lernte etwas über Selbstverantwortung. Und darüber, dass ich anderen keinen Gefallen tat, wenn ich mich ihnen zuliebe auf etwas einließ, sondern im Gegenteil, dass sofort auch spürbar wurde. Stattdessen war jeder dazu aufgefordert „nein“ zu sagen, wenn es sich nach einem „nein“ anfühlte. Im Verlaufe dieser Tage lernte ich, durch viele, viele Übungen, wie wichtig eine klare Kommunikation ist und wie einfach alles wird, wenn ich weiß, was ich will und wo meine Grenzen sind. Das mag jetzt seltsam klingen, aber als hochsensibler Mensch habe ich meine Antennen so sehr nach außen und auf die anderen Personen gerichtet und darauf, zu erahnen, was sie brauchen, wollen, fühlen, dass ich komplett aus den Augen verloren habe zu wissen, was ich will. Ich weiß, schon sehr gut, was ich in mir fühle, aber eben nicht, was ich will.

 

Meine eigene Klarheit als Schlüssel

Ich bin ein Chamäleon und super anpassungsfähig. Was im Endeffekt immer zu Drama geführt hat. Je mehr ich mich mit dem Thema Grenzen beschäftigte, desto bewusster wurde mir, dass mir das eine ganz neue Möglichkeit der Begegnung schaffen konnte. Anstatt sicherheitshalber Mauern zu errichten und mich dahinter zu verstecken, konnte ich mir meine Grenzen bewusst machen und vor allem, musste ich diese auch kommunizieren. Grenzen sind verhandelbar, können sich ändern und sind manchmal auch einfach weg. An der Grenze findet Begegnung statt. Wenn wir einen anderen Menschen berühren, findet diese Berührung an unserer jeweiligen Hautgrenze statt. Ich kann durch die Grenze den anderen spüren und mich orientieren. Mein Kopf und mein System begriffen ganz langsam, welche Möglichkeit sich mir da auftat.

Beschwingt und leicht startete ich nach diesem Wochenende wieder in meinen Alltag, erlebte direkt eine Begegnung, bei der ich mich völlig öffnen konnte und sich alles unglaublich richtig anfühlte. Nur um einen Tag später eine fette Lektion vom Leben durch genau diese Person zu bekommen. Ich wurde versetzt, zweimal und musste auch noch hinterher kommunizieren, um überhaupt herauszufinden, ob eine Begegnung stattfinden würde, oder nicht. Und ich fiel in mein inneres Kind, denn es triggerte mich schrecklich. Ich wollte mich wieder hinter all meinen sicheren Mauern verstecken und es fühlte sich wie eine bittere Bestätigung an, dass es sich wieder nicht gelohnt hatte, das Herz zu öffnen.

Bis ich mich erinnerte. An das Thema Grenzen, an das Thema Selbstliebe. Wieder gab ich jemand anderem die Macht, über meinen Wert zu bestimmen… dabei bin ich dafür verantwortlich! Und plötzlich ließ ich mich auch wieder so behandeln, wie ich es überhaupt nicht mehr wollte. Und anstatt zu wissen, woran ich war, wusste ich einfach gar nichts und hatte nur Interpretationen und Hypothesen. Mindfuck pur. Und das brachte die Wende, denn ich spürte, dass ich genau das ändern musste. Raus aus der Opferrolle und der Sicherheitsmauer! Stattdessen hin zu Kommunikation und Grenzen ziehen. Denn ich spürte ganz genau, dass es keinen anderen Weg geben würde, um mich wieder zu öffnen, wenn ich nicht den Mut haben würde zu kommunizieren.

Also kommunizierte ich meine Grenzen und bei einer weiteren Begegnung kommunizierten wir auch unsere gegenseitigen Absichten. Es ist nicht leicht, sich auch mit seinen Ängsten und Wünschen zu zeigen, keine Frage. Und wir sind es auch oft gar nicht mehr gewöhnt, authentisch und ehrlich miteinander zu reden. Ohne die Masken und die Mauern, die uns in Sicherheit wägen. Zu wissen, was ich will und das ausdrücken zu können, sorgt für Klarheit. In mir und in der Begegnung. Meine Grenzen zu kennen und sie zu kommunizieren, sorgt für Orientierung und dafür, dass ich weiß, wo ich beginne mich selbst zu verraten und je klarer und selbstbewusster ich werde, desto leichter fällt es mir, mich dann für mich selbst zu entscheiden. Die Klarheit und die Grenzen sorgen aber auch dafür, dass ich keine prophylaktischen Schutzmauern brauche und wirklich in Kontakt und Begegnung treten kann.

 

Die liebevolle Verbindung zu mir selbst macht den Unterschied 

Ich bin tief berührt davon, was diese Art der Kommunikation ausgelöst hat. Nicht das, was mein Wunsch gewesen wäre, aber dafür eine um so ehrlichere und klarere Art der Begegnung. Und dadurch hat sich auch mein inneres Kind nicht verzweifelt und zurückgewiesen fühlen müssen, sondern konnte verstehen, ganz ohne Drama. Ich musste ganz schön schmunzeln, als mir genau diese Person dann (ohne zu Wissen, dass ich mir so viele Gedanken zu dem Thema machte), das Feedback gab, wie schön es sei, dass wir uns so ohne die typischen Mauern begegnen könnten.

Es ist anstrengend das alles zu erkennen und zu üben, denn es bedeutet, dass ich unglaublich wachsam sein muss, nicht in meine alten Muster rein zu fallen. Und es bedeutet, dass es wirklich zuerst die Beziehung zu mir selbst ist, die gepflegt, verstanden und gehalten werden will. Je klarer ich mit mir selbst verbunden bin, je sicherer ich mich in mir selbst fühle, je genauer ich weiß, was ich will und was nicht, desto bewusster, kann ich anderen Menschen begegnen, ohne mich dabei selbst zu verlieren.

Selbstliebe ist der Schlüssel. Und Selbstliebe ist auch meine Antwort und mein Leuchtturm. Und so stellen sich dann im Nachhinein auch oft die Situationen im Leben, die wirklich dramatisch und schmerzhaft waren, als besonders starke Lektionen heraus. Denn ohne die Trennung von meinem Exfreund und ohne all die Begegnungen mit Menschen, die so genau meine Triggerpunkte finden, hätte ich mich nicht auf den Weg gemacht! Auf den Weg, immer mehr zurück zu mir selbst.

Meine Vision ist es, dass ich ganz in meine Kraft komme und Menschen nicht mehr hinterlaufen muss, aus Angst mich einsam und verlassen zu fühlen. Stattdessen wünsche ich mir und euch allen da draußen, einen Haufen toller, echter, Herzensbegegnungen mit Menschen, die unsere Seele nähren und uns helfen, uns immer mehr selbst lieb zu haben!

Das Leben antwortet manchmal auf eine amüsante Art und Weise. Aber seitdem begegnet mir immer wieder ein kleiner Igel. Ich könnte mir kein besseres Symbol für dieses Thema vorstellen, als einen Igel, der sich mit seinen Stacheln perfekt abgrenzen kann (wenn er es will) und sich zu 100% auf seine Grenze verlässt.

Eure
Verena

 

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Verena Platte

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