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Wahrnehmen, was das Zeug hält

Wahrnehmen, was das Zeug hält
Berufliche Weiterentwicklung Entspannung und Wohlbefinden

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Der Sommer ist da. Kannst du ihn genießen? Nimmst du seine schönen Seiten wahr? In aller Munde ist noch die Rekordhitze der letzten Tage. Auch mir ist das zu viel des Guten. Hinzu kommt die weitverbreitete Angst vor dem Klimawandel, die uns jede Freude am Sommer verdirbt: Wird das immer so weitergehen mit Hitze und Dürre? Wird die Erde unbewohnbar? Sollten wir in Panik ausbrechen?

Gerade als Hochsensible nehmen wir solche Dinge stark wahr. Um was es auch geht – überall vermischt sich Schönes und Hässliches, Gutes und Böses, Erfreuliches und Beängstigendes. Die Hochsensibilität selbst ist eine gute und starke Gabe – und sie kann zugleich eine Last sein. Wie können wir uns diese Last erleichtern?

Der 1. Kongress für Hochsensibilität in der Lüneburger Heide ist schon einige Zeit her. Die wichtigste Botschaft, die ich von dort mitgenommen habe, kam aus wissenschaftlicher Richtung: Danach habe die Hochsensibilität viele gute Seiten. Sie sei insgesamt eine große Stärke. So sehr, dass eigentlich alle Menschen hochsensibel sein sollten. Warum sind nicht alle hochsensibel? Weil die Herausbildung und „Unterhaltung“ eines so sensitiven Nervensystems für das betroffene Individuum einen erhöhten Energieaufwand bedeute – der einzige Nachteil der Hochsensibilität. Deshalb sei es sinnvoll, dass nur ein Teil der Population höher sensibel ist als die Mehrheit. Die könne jedoch von der Gabe der Minderheit profitieren. Dafür sollte sie die Hochsensiblen mittragen.

 

Sich mit der Stärke stärken

Wir wissen alle, dass unsere Gesellschaft weit entfernt von diesem Ideal ist. Der eigentliche Punkt jedoch, auf den ich hinaus will, ist: In der Hochsensibilität „eingebaut“ ist eine Stärke, die den Nachteil der Hochsensibilität überspielen kann. Nämlich: Wahrnehmen! Entdecke das Schöne, Gute, Erfreuliche in unserer Welt, fokussiere darauf – und nimm davon wahr, soviel du kannst. Fülle dich mit diesen Dingen, wann immer du kannst. Das wird dich in vielerlei Hinsicht stärken.

Ich erlebe das stark beim Musikhören. Das mag trivial klingen, denn das machen ja alle. Doch es geht nicht um das allgegenwärtige Hintergrund-Gedudel, dem wir kaum entrinnen können. Sondern darum, die Lieblingsmusik bewusst auszuwählen und intensiv hinzuhören. Mir kommt dabei zugute, dass ich früher zur Musikschule ging und ein ausgebildetes Gehör habe. Das hilft mir, zu hören, was alles in der Musik passiert, welche Raffinessen sie enthält, und warum diese oder jene Stelle so besonders schön ist. Und das wiederum baut mich innerlich auf. Es stärkt mich. Es räumt meine Seele auf. Es hilft mir, mich ganz ins Hier und Jetzt zu fokussieren: Wenn ein Musikstück erklingt, dann gibt es kein anderes daneben.

Es fing schon in der Schule an. Dort war ich Außenseiter, auch weil ich die Musik, die alle in der Klasse hörten, nicht mochte – es war der rhythmusdominierte Hardrock. Ich mochte mehr melodiebetonte Musik, entdeckte nach und nach Phillysound, Soul und manche Jazzrichtungen, träumte bei Countrymusik aus dem AFN von den Weiten einer für uns DDR-Bürger unerreichbaren Welt, hatte durch die Musikschule Zugang zur klassischen Musik. Was für eine Fülle an Schönheit, die ich heute wieder- und weiterentdecke. Und die mir heute immer wieder neue Energie gibt.

 

Die unerschöpfliche Ressource anzapfen

Das ist mein Beispiel. Was ist dein Thema? Wo bist du von vielleicht noch unentdeckter Schönheit umgeben, an der du dich stärken kannst? Wie kannst du auf die Suche nach dem Schönen und Guten gehen? Vielleicht ist der bevorstehende Urlaub eine Chance: In der Ferne ist es anders als zu Hause – da lassen sich diese Dinge leichter entdecken. Herausfordernder ist es, diesen Reichtum in vertrauter Umgebung zu finden.

Jemand sagte mal: Womit wir uns füllen, das kommt unter Druck aus uns wieder heraus. Es ist hoffentlich Schönes, Gutes und Erfreuliches, das unsere Mitmenschen in stressigen Situationen bei uns sehen. Übrigens, falls du befürchtest, das Schöne verliert seine Schönheit, wenn wir es zu intensiv wahrnehmen: Herauszufinden, was den Zauber der Musik ausmacht, zerstört ihren Zauber nicht, sondern verstärkt ihn noch – so meine Erfahrung. Das Schöne und Gute scheint eine unerschöpfliche Ressource zu sein.

Und falls du befürchtest, mit diesem Fokus den Bezug zur „bitteren“ Realität zu verlieren: Auch das ist nicht der Fall. Ich erlebe vielmehr, dass die Sicht auf die Probleme klarer wird – das gehört ja dazu, denn die Gabe ist ja eine Aufgabe. Aber man sieht die Dinge aus einer innerlich gestärkten Position. Es kann einen nicht so sehr „runterreißen“. Der klare Blick ist entscheidend: Wir brauchen Besonnenheit, nicht Panik. Ich selbst beschäftige mich gerade intensiv mit allerlei Dingen, die unsere Gesellschaft gegen die Wand zu fahren droht, ohne es zu merken. Eigentlich könnte ich darüber verzweifeln, aber da ist eben diese innere emotionale Stärke, die mir zur sachlichen Perspektive verhilft…

Diese Stärke wünsche ich dir auch. Genieße den Sommer ganz im Sinne von Augustinus: „Die Seele ernährt sich von dem, woran sie sich freut.“

Herzlichst,

Reimar Lüngen

 

Über Reimar Lüngen

Jahrgang 1961, hochsensibel, nach vielen Jahren in der IT heute Berufungscoach für Hochsensible und Feelgood Manager.

 

Reimar Lüngen

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Über Reimar Lüngen

Jahrgang 1961, hochsensibel, nach vielen Jahren in der IT heute Berufungscoach für Hochsensible.