Radius: Aus
Radius:
km Geben Sie einen Radius für eine Umkreissuche an.
Suche

Wie ein alleingeborener Zwilling den verlorenen Zwilling ihres Sohnes erlebt

Wie ein alleingeborener Zwilling den verlorenen Zwilling ihres Sohnes erlebt
Familie und Partnerschaft

 

Von meiner Natur aus bin ich ein Sonntags- und Sonnenkind: Immer ein Lachen im Gesicht, den Schalk im Nacken und jederzeit für ein Späßchen bereit.

Irgendwann fing es an, sich zu wandeln. Es fühlte sich anders an. Die Stimmung, die sich in mir ausbreitete – so ganz tief im Innern, die kannte ich nicht und konnte sie daher auch überhaupt nicht zuordnen. Es gab Phasen, da habe ich sie nicht gespürt, weil mein Alltag mir immer ausreichend Ablenkung bescherte: Zwei Kinder, Haus mit großem Garten, ein Hund, eine Teilzeittätigkeit bei einer Bank und dann noch so „ganz nebenbei“ die Selbstständigkeit mit eigener Praxis für Energiemassagen, Reiki-Ausbildungen und Energieanwendungen aufbauen. Manchmal kam ich halt wirklich nicht zum Nachdenken bzw. Nachfühlen! Aber immer dann, wenn mir mein Leben ein wenig Ruhe gönnte und ich den Mut hatte, in mich hinein zu lauschen, dann war sie wieder da: Die latente Traurigkeit. Es war zum Verrücktwerden! Ich wollte das nicht fühlen, es passte nicht in mein Leben und schon gar nicht zu meinem sonnigen Gemüt und doch war sie immer wieder da. Leise, abwartend und doch so präsent.

Ich blicke kurz zurück und nehme Euch mit in meine Vergangenheit: Im Juni 1992 lernte ich meine große Liebe kennen, nach 8 Wochen bekam ich einen Heiratsantrag (ich sagte JA), im September bestellten wir das Aufgebot und im Dezember haben wir dann geheiratet. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits schwanger, was ich jedoch nicht wusste. Erst ein paar Tage nach der Eheschließung machte ich einen Schwangerschaftstest, der dann positiv ausfiel. Die Freude war groß und unsere Herzen liefen fast über vor Liebe. Im August 1993 wurde unser Sohn geboren und die Happy-Family war vorerst komplett.

Als ich dann Jahre später den Mut hatte, näher hinzuschauen und mich auf meine Traurigkeit einzulassen, habe ich für mich rückblickend immer gesagt: „Die Traurigkeit ist in meinem Leben, seitdem ich mit meinem Mann zusammen bin.“ Mir tat diese Erkenntnis immer unglaublich weh, denn er war und ist immer noch mein Herzensmann und diese Verknüpfung mit unserem Zusammensein und meiner Traurigkeit machte mich noch trauriger und auch ein stückweit unsicher. Ich wollte nicht, dass das so ist! So gingen viele Jahre ins Land, die Kinder wuchsen heran (Nr. 2 wurde 1995 geboren) und der Alltag hatte mich fest im Griff. Immer wieder blitzte dieses Thema in meinen Gedanken auf und immer wieder hatte ich genügend andere Dinge zu tun, als mich nun genau darum zu kümmern.

Mein Mann und ich entwickelten uns als Paar weiter und durchliefen viele Ausbildungen: Vom Schamanismus, über Kinesiologie bis hin zum systemischen Familienstellen. Mit all diesem Wissen haben wir unserem nun schon 18-jährigen Sohn empfohlen, eine Familienaufstellung zu machen. Es gab so einige Situationen in seinem Leben, die entspannter hätten laufen können und wir wollten ihm somit eine Möglichkeit bieten, sich von angesammelten „Familienballast“ zu befreien. Er willigte ein und ging zu einem Therapeuten unseres Vertrauens und nahm dort an einem Workshop Familienstellen teil. Dieses Wochenende sollte unser Leben – also zumindest meines und seines – vollständig verändern!

Ich habe seit meiner Schwangerschaft mit ihm immer und immer wieder von einem blonden Baby geträumt. Ich war mir sicher, dass sich das Baby zeigt, welches ich gerade austrage und war felsenfest davon überzeugt: „Ich bekomme ein blondes, fast glatzköpfiges Baby!“ Der Tag der unglaublich schönen, unkomplizierten und schnellen Geburt war da und ich hielt stolz meinen Sohn in den Armen. Er hatte schwarze, lange Haare und war so das Gegenteil von dem, was ich immer in meinen Träumen gesehen hatte! Nach einem kurzen Moment der Überraschung war aber auch das Bild aus meinen Träumen verschwunden und ich freute mich über meinen kleinen „Italiener“.

In den folgenden Jahren erschien dieses blonde Kind immer wieder in meinen Träumen. Es wuchs mit, ich konnte erkennen, dass es ein Mädchen war und sie lange blonde Haare hatte. Ich wusste jedoch überhaupt nicht, was diese Träume zu bedeuten hatten. Obwohl ich mittlerweile ein spirituell sehr aufgeschlossenes Leben führte, konnte ich mir nicht erklären,

wer dieses kleine blonde Mädchen war…

Als mein Sohn dann vom Familienstellen-Workshop zurückkehrte, war er emotional sehr bewegt und erzählte mir von seinem Erlebten: „Er sei als „Doppelpack“ geplant gewesen… und es gehöre noch eine Schwester – seine Zwillingsschwester in unsere Familie!“

Jetzt war es ausgesprochen, alle Bilder der vergangenen 18 Jahre fügten sich aus 1000 Puzzlesteinen zu einem ganzen Bild. Es war mit der bewegendste Moment, den ich in meinem Leben erfahren durfte! Es war, als fiele mir ein Stein vom Herzen, Leichtigkeit machte sich breit und mein Herz ging auf – es fühlte sich alles so stimmig an und jetzt wusste ich auch endlich, wer dieses kleine blonde Mädchen war! Es war meine ungesehene Tochter und die Zwillingsschwester meines Sohnes. Wir haben ihr den Namen Lara Katharina gegeben und von nun an, war sie ein fester Teil unserer Familie. Wir erzählten von ihr und wir waren alle endlich komplett. Durch meine medialen Fähigkeiten konnte ich häufig mit ihr ins Zwiegespräch gehen und sie hat meine Trauerarbeit so liebevoll begleitet. Ich habe ja nicht geahnt, wie sehr eine Mutter um etwas trauern kann, von dem sie noch nicht einmal wusste, dass es etwas zu Betrauern gab. Unfassbar! Ich selbst machte noch eine Familienaufstellung für meine weibliche Linie und integrierte alle ungesehenen Kinder (Lara Katharina war nicht die einzige, die nicht gesehen wurde) und konnte auf diesem Wege – und auch mit viel eigener Heilarbeit mein Mamaherz befrieden. Es waren sehr intensive Monate, bis sich alles in mir stimmig anfühlte und ich meine Traurigkeit annehmen konnte – die endlich ihre Daseinsberechtigung hatte. Ich habe hingefühlt, durch sie hindurchgefühlt, um dann im Frieden und in der Liebe anzukommen!

 

Wenn du auch Mama eines alleingeborenen Zwillings bist, dann ist nicht nur Integration bei dem alleingeborenen Zwilling erforderlich – bitte auch auf alle Fälle bei dir! Dein Mamaherz vermisst auch ein Kind und jede Befruchtung wird mitgezählt. Mein Mamaherz stand auf „3“ und real habe ich aber nur zwei gesehen und mit ihnen gelebt. Das hat in mir eine große Diskrepanz ausgelöst. Seitdem ich meiner Lara Katharina einen festen Platz in meinem Herzen gegeben habe, habe ich nie wieder diese Traurigkeit gespürt, die ich eingangs beschrieben habe.

Eure Britta Hildebrandt

 

 

Britta Hildebrandt

Hier gelangt Ihr zu meinem Profil bei nova:
https://nova-lebensraum.de/item/britta-hildebrandt/

 

 

 

 

Bildquelle: Pixabay